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03 INTERVIEW PETER BERTHOLD: NATURSCHUTZ

Interview Mit Prof. Dr. Peter Berthold

Welche Rolle spielt die Vogelfütterung im Kontext des Naturschutzes und der Förderung der Artenvielfalt? Im dritten Teil des Interviews berichtet Peter Berthold von seinen Projekten und zeigt auf, was jeder von uns zum Schutz der heimischen Vogelwelt beitragen kann.

Welche Rolle spielt die Vogelfütterung im Kontext des Naturschutzes und der Förderung der Artenvielfalt?

Die Vogelfütterung kann intakte Lebensräume keinesfalls ersetzen. Die bestehenden Naturschutzgebiete sind nicht ausreichend, um unsere Artenvielfalt zu erhalten. Die Schaffung vieler neuer Biotopen ist daher essenziell, wenn wir die noch verbleibende Artenvielfalt in die nächsten Generationen retten wollen.

Unter einem Biotop im Sinne des Naturschutzes versteht man einen Lebensraum oder eine natürliche Umgebung, die eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten beherbergt, wie Wälder, Sümpfe, Flüsse, Seen, Teiche, Wiesen, Hecken, aber auch kleinere Bereiche wie „Wilde Ecken“ in Gärten.

Auf Betreiben von Peter Berthold startete die Heinz Sielmann Stiftung 2016 das Projekt „Jeder Gemeinde ihr Biotop“. Dabei wurden alle Bundesländer kontaktiert und zur Mitarbeit an einem deutschlandweiten Biotopverbund aufgerufen – ein Startschuss zum Erhalt der Biodiversität in Deutschland.

Sie engagieren sich seit Jahrzehnten für den Naturschutz. An welchen Projekten arbeiten Sie?

Um die noch vorhandene Artenvielfalt zu retten, baue ich seit 20 Jahren den Biotopverbund Bodensee auf. Mit Unterstützung der Heinz Sielmann-Stiftung haben wir hier 130 Biotope und über 30 Weiher wie Weiher, Tümpel, Feuchtgebiete sowie aufgewertete Viehweiden, Streuobstwiesen und Trockenrasen unter Einsatz von mehr als 10 Mio Euro eingerichtet und bestehende aufgewertet. Noch lohnt sich der Erhalt der Biodiversität, da viele der Restbestände an Pflanzen- und Tierarten noch regenerationsfähig sind. Aber Eile ist geboten, denn jeden Tag nimmt die Artenvielfalt weiter ab. Daher bin ich deutschlandweit unterwegs mit dem Motto „Jeder Gemeinde ihr Biotop“.

Große Äcker und Straßen (1), sowie Versiegelung durch Bauten (2) sind Hindernisse für die freie Wanderung zur Erschließung neuer Lebensräume, zur Fortpflanzung und Nahrungssuche von Tier- und Pflanzenarten. Trittsteine können beispielsweise naturnah angelegte private, gewerbliche und kommunale Gärten und Anlagen (3) mit Teichen oder Weihern, Wiesen, Gehölzen in und um Siedlungen sein, die durch Bäche und Flüsse (4), Sträucher- und Heckenanlagen (5), Wälder und Wiesen (6) über große Felder hinweg verbunden werden.

Ein intakter Biotopverbund fördert die genetische Vielfalt, stärkt die Widerstandsfähigkeit von Tier- und Pflanzenpopulationen gegenüber Umweltveränderungen und trägt zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei.

Welche Auswirkungen befürchten Sie auf die Vogelpopulation durch die aktuelle Klimapolitik und Förderung erneuerbarer Energien?

Derzeit haben wir leider eine gegenläufige Entwicklung durch die Klimapolitik und erneuerbare Energien, bei der Windräder bis in Naturschutzgebiete gebaut werden und ursprünglich aus der Nutzung herausgenommenes Ödland nun mit Solaranlagen überbaut wird. Die Folgen auf die Vogelpopulation sind noch nicht absehbar.

Was kann jeder einzelne von uns dazu beitragen?

Selbst wenn jemand seinen Garten naturnah und vogelfreundlich gestaltet, lässt sich damit keine größere Vogelpopulation am Leben erhalten, weil ein einziger Garten zu wenig ist. Und durch die aktuell stark angestiegene Bautätigkeit und Nachverdichtungen werden die Gärten immer kleiner, was eine zusätzliche Fütterung umso wichtiger macht.

Die Vogelfütterung hat den großen Vorteil, dass sie eine Sofortmaßnahme darstellt. Wer heute noch nicht füttert, aber gleich damit anfängt, kann sofort etwas zum Schutz von Vögeln unternehmen. Denn bis ein Biotop eingerichtet ist, vergehen Jahre, in denen viele Arten verloren gegangen sein können. Insofern ist die Vogelfütterung eine wichtige Sofort- und Zusatzmaßnahme, die jeder leisten kann.

„Durch Zerstörung von Lebensraum und Nahrungsgrundlage hat der Mensch wesentlich zum dramatischen Rückgang der heimischen Vogelwelt beigetragen. Ganzjähriges Füttern ist daher eine überlebensnotwendige Verpflichtung.“

Prof. Dr. Peter Berthold

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Vielen Dank für deine Unterstützung!

DER AUTOR
Prof. Dr. rer. nat. Peter Berthold (geboren 1939), bis 2004 Direktor der Vogelwarte Radolfzell, Max-Planck-Institut für Ornithologie, gehört zu den weltweit führenden Ornithologen. Nach dem Studium der Biologie, Chemie und Geografie spezialisierte er sich auf sieben Arbeitsgebiete: Vogelzugforschung, Jahresperiodik, Populationsdynamik, Ernährungsbiologie, Genetik, Auerhuhnforschung und Grundlagenforschung für den Natur- und Umweltschutz. 1981 erhielt er eine Professur für Biologie an der Universität Konstanz. Seit 2004 engagiert er sich vor allem im Naturschutz („Jeder Gemeinde ihr Biotop“). Für sein originelles und bahnbrechendes Arbeiten wurde er vielfach ausgezeichnet.

DER AUTORIN
Gabriele Mohr war bis 2017 als Technische Assistentin an der Vogelwarte Radolfzell tätig. Sie hat in der Arbeitsgruppe von Peter Berthold die Aufzucht, Haltung und Zucht von mehr als 5000 Kleinvögeln, vor allem Grasmücken, aber auch von Auerhühnern und über 100 weiteren Vogelarten geleitet. Seit 20 Jahren beschäftigt sie sich zunehmend mit der Fütterung frei lebender Vögel.

Alle Bilder, Grafiken und Textpassagen aus dem Buch „Vögel füttern – aber richtig“ mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Berthold und dem Kosmos Verlag.

Portraitfoto Beitragsbild: Quelle: picture-alliance / dpa

Illustrationen von Katja Falkenburger 

Dieser Blogbeitrag enthält ein Interview mit Peter Berthold über sein Buch „Vögel füttern – aber richtig“. Ich möchte darauf hinweisen, dass dieses Interview rein ehrenamtlich durchgeführt wurde und ich dafür keine Vergütung erhalten habe. 

hier nachlesen: Teil 1 & 2 des großen Interviews Mit Prof. Dr. Peter Berthold

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