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BUCH «FLECHTEN DER SCHWEIZ»

Ein umfassender Naturführer

Das Buch „FLECHTEN DER SCHWEIZ“ von Christoph Scheidegger, Christine Keller und Silvia Stofer ist ein umfassendes Werk über die Vielfalt, Biologie und Schutz von Flechten. Es ist eine sehr ansprechende Einladung an passionierte Flechtenforscher, aber auch Naturliebhaber und solche, die es noch werden möchten. Durch ausführliche Artenporträts und detaillierte Verbreitungskarten wird dieses Buch zu einem Begleiter für alle, die sich eingehender mit dem oft übersehenen „oberflächlichen Bewuchs“ auseinandersetzen möchten. Zusätzliche Exkursionsvorschläge laden dazu ein, die heimische Welt der Flechten rund ums Jahr selbst zu entdecken.

Das Buch führt systematisch durch die Welt der Flechten. Es ist sehr übersichtlich in drei unabhängig voneinander nutzbare Teile von der Biologie, Ökologie und dem Schutz von Flechten über Artenporträts sowie Exkursionen zum aktiven Erwandern und Erleben von Flechten in ihren natürlichen Habitaten gegliedert.

Im ersten Kapitel zur Biologie, Ökologie und Naturschutz erhält man einen sehr umfassenden Einblick in die besondere Lebensweise und Überlebensstrategien von Flechten, ihre Rolle und Funktionen im Netz der Artenvielfalt sowie deren Fundorte, Gefährdung und Schutzstatus.

Definition Flechte

Eine Flechte (lateinisch Lichen) ist eine symbiotische Lebensgemeinschaft zwischen einem oder mehreren Mykobionten (aus altgriechisch „Pilz“ und -biont „Lebewesen“ aus altgriechisch „Leben“) und einem oder mehreren Photobionten (aus altgriechisch „Licht“).

Die Wissenschaft von den Flechten ist die Flechtenkunde oder Lichenologie.

Quelle Wikipedia

Flechten bergen eine beeindruckende Überlebenskraft und sind ein grandioses Beispiel für gemeinsames Wachsen und Vermehren durch „Teamarbeit“. Im Block des ersten Kapitels erfahren wir nach welchen Regeln dies abläuft , damit beide Partner auch unter widrigsten Umständen – in exponierten Lagen und bei vollständiger Trockenheit – überleben können. Hier erfahren wir beispielsweise:

  • Flechten sind Mischwesen, eine Symbiose aus einem Pilz und einer Alge oder einem Cyanobakterium.
  • Der Name einer Flechtenart orientiert sich an der Art des beteiligten Pilzes, da derselbe Pilz auch mit unterschiedlichen Partnern vergesellschaftet sein kann.
  • Die Inhaltsstoffe des Pilzpartners können die Farbe von Flechten beeinflussen.
  • Pilze profitieren von Giftstoffen der Symbioten zum Schutz oder zur Abwehr von Freßfeinden.
  • Es gibt verschiedene Typen von Flechten: Krusten-, Blatt- und Strauchflechten.
  • Wir lernen, wie man diese erkennen kann, was sie voneinander unterscheidet, und viele weitere spannende Details – eine fantastische Erfolgsgeschichte!
KRUSTENFLECHTE
BLATTFLECHTE
STRAUCHFLECHTE

Zusätzliche, hochauflösende, mikroskopische REM-Aufnahmen (Raster-Elektronenmikroskopie) wie hier in den beiden Bildern rechts unten verdeutlichen die Details des „Zusammenlebens“ der Symbionten.

Im Buch werden über 360 einheimische Flechten portraitiert.

Beim Lesen insbesondere dieses Kapitels wird deutlich, welche Bedeutung selbst die kleinwüchsigen Flechten als Lebensraum und Nahrung im Netzwerk der Arten darstellen und wie wichtig auch der Schutz selbst kleiner und unscheinbar wirkender Lebensformen ist. Denn diese unglaubliche Erfolgsgeschichte einer extrem widerstandsfähigen Lebensform wird heute durch Luftverschmutzung, Düngung und Pestizide bedroht.

Rechts oben das Foto eines letzten, großen Vorkommens von Teloschistes chrysopthalmus, das leider von einem Hochwasser zerstört wurde!

Die Artenporträts im zweiten Kapitel lassen sich wie ein Bestimmungsbuch nutzen. Hier finden sich Informationen zu den Merkmalen, zur Verbreitung, zu Stand- und Fundorten einer Flechtenart, allgemein Wissenswertes, zur Gefährdung und zum Schutz sowie zu ähnlichen, verwechselbaren Arten.

Hunderte von ausgezeichneten Fotos stellen die einzelnen Flechtenarten dar. Sehr schön zeigen jeweils drei „gezoomte“ Fotos eine Ansicht des Lebensraums, eine Nahaufnahme sowie eine Makroansicht.

Das dritte Kapitel lädt zum aktiven Erleben und Entdecken der Flechtenwelt ein. Hier erhält man viele Anregungen für spannende Ausflüge, um Flechten direkt in ihrem natürlichen Umfeld zu erleben. 

Flechten finden sich selbst im urbanen Raum auf verschiedensten Oberflächen und sogar auf modernen Materialien. Die Entdeckertour kann daher schon beim ersten Schritt vor die Haustüre beginnen. 

Hat man erst einmal den Blick für diese zarten, filigranen Strukturen geschärft, lassen sie sich überall entdecken: an Bäumen, Sträuchern, Altholz im Wald, in tiefen Tälern bis zu den höchsten Alpengipfeln und sogar auf Steinen, Beton und selbst Glas direkt vor der Haustür. Erst ein genauerer Blick oder unter einer Lupe lässt die unglaubliche Vielfalt von Flechten erkennen – die oft übersehene, unscheinbare Schönheit einer fantastisch anmutenden Miniaturwelt.

Und plötzlich bekommt man einen ganz neuen Blick auf die bunten „Flecken“ auf Fassaden und Wände aus Beton und Stein, welche Flechten mit ihren Graffitis überziehen! 🙂

Im Buch erfährt man wie die sehr verschiedenen Formen und Strukturen bei Flechten entstehen. 

Das Buch FLECHTEN DER SCHWEIZ hat mich sofort begeistert. Die vielfältigen Formen, Strukturen, Farben von Flechten wirken wie von einem anderen Planeten, der erforscht, geliebt und geschützt werden möchte. Es ist ein wunderbares Werk für alle, die in die Miniaturwelt der Flechten eintauchen möchten und ein „Reiseführer“ in die Natur direkt vor der eigenen Nase – von der Haustürschwelle bis hin zu den höchsten Alpengipfeln.

Herzlichen Dank an den Autor und die Autorinnen des Buches, die diese einzigartige Wunderwelt in sicherlich jahrelanger Arbeit fotografiert, gesammelt, aufbereitet und nun in dieser ausführlichen Bandbreite präsentiert haben! 


FLECHTEN DER SCHWEIZ  _  ISBN: 978-3-258-08309-4

Haupt Verlag, Bern

Autor Christoph Scheidegger

Christoph Scheidegger studierte Botanik an der Universität Bern, wo er 1987 mit einer Dissertation zur Systematik der Krustenflechtengattung Buellia promovierte. Anschliessend baute er die Forschungsgruppe Raster-Elektronenmikroskopie und später die Forschungseinheit Biodiversität und Naturschutzbiologie an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL (Birmensdorf, Schweiz) auf. Er leitet die Spezialistengruppe Flechten der Species Survival Commission von IUCN und engagiert sich in der akademischen Lehre an der Universität Bern und an der ETH Zürich. Heute bearbeitet er Projekte zur Biodiversität in Flusslandschaften, Urwäldern und Gebirgsregionen. Sein Forschungsgebiet ist die Naturschutzbiologie der Flechten.

Autorin Christine Keller

Christine Keller studierte Biologie an der Universität Bern. Sie schloss die Dissertation zum Thema «Hydroverrucaria – Beitrag zur Systematik und Biologie europäischer Verrucaria-Arten des Süsswasser» 1995 ab. Zwischen 1989–1997 führte sie mehrere Projekte in verschiedenen Ökobüros aus. Seit 1995 arbeitet sie an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL als Flechtenspezialistin für das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flechten SwissLichens, die Revision der Roten Liste der Flechten der Schweiz und andere Flechtenprojekte. Für die Schweizerischen Vereinigung für Bryologie und Lichenologie (Bryolich) führt sie verschiedene Kurse durch.

Autorin Silvia Stofer

Silvia Stofer studierte Biologie an der Universität Zürich. Sie schloss ihr Studium mit einer Diplomarbeit über die Verbreitung und Ökologie von Moosen im Val Piora ab. Seit 1995 arbeitet sie an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL in Birmensdorf, zuerst für die Rote Liste der gefährdeten Flechten der Schweiz, danach im Rahmen verschiedener europäischer Projekten zur Erforschung der Biodiversität. Heute leitet sie das Nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flechten SwissLichens und engagiert sich stark für die Umsetzung der Artenförderung in der Schweiz.

Das Buch wurde mir vom Haupt Verlag zur Verfügung gestellt. Der Text spiegelt meine persönliche Meinung wider.

Alle Aufnahmen auf dieser Seite mit freundlicher Genehmigung des Haupt Verlags, Bern.

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