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INTERVIEW VON NATURA DB

6000 QM PLATZ ZUM AUSTOBEN

Hallo Katja! Magst du dich kurz vorstellen?

Von Beruf bin ich selbständige Produkt- und Grafikdesignerin, Illustratorin und Autorin.
Meine Begeisterung für Natur und Garten würde ich aber auch als Beruf, sozusagen als Berufung, bezeichnen, da ich damit hauptsächlich meine Freizeit, Wochenenden und Urlaub gestalte.

Wann fing deine Begeisterung für die Gartenthematik an?

Das fing schon von klein auf mit einem ersten Kräutergarten an. Die Kräutersammlungen nahmen irgendwann solche Ausmaße an, dass die „Drogen“ an die örtliche Drogerie verkauft wurden, um der Mengen Herr zu werden und dem Verfallsdatum zuvorzukommen.

Zu meinem zweiten Garten kam ich vor etwa 24 Jahren in Stuttgart am Lemberg, als ich Brombeeren am Wegesrand stibitzte und von der 85-jährigen Eigentümerin „erwischt“ wurde. Als „Dank“ oder Strafe (?) durfte ich Oma Hedwigs Schrebergarten gegen eine fifty-fifty Ernteteilung bewirtschaften.

Natürlich stieg ich sofort nach meinen Vorstellungen ein: Mit Mischkultur, Mulchen, ohne sonstige böse Mittelchen, was mir manchen schrägen, zweifelnden Blick der „traditionsbewussten Chefin“ einbrachte.

Der üppige Ertrag „so ganz ohne nix“ überzeugte sie dann aber schnell.
Im Vergleich zu den angrenzenden Gärten wuchs es bei mir bald „wie Unkraut“. Sie hatte halt einen „grünen Daumen“, das Erfolgsrezept, das ökologische Konzept dahinter war dann doch zu kompliziert. Zu der Zeit startete ich Versuche zur Bodenverbesserung, Mischkulturen, alte, spannende Gemüsesorten, eigene Saatgutvermehrung und Auslese eigener Sorten.

Beim Umzug aufs Land ins Hinterland des Bodensees war ein Garten immer die Bedingung, und alle Pflanzen mussten natürlich mit, auch Blumen und sogenanntes „Unkraut“, das sich in meinen Gärten immer mehr etablierte.

Nach weiteren zwei Umzügen mit Sack, Pack und Grünzeug hatte ich dann das erste Mal ein eigenes Gelände, das ich seit 12 Jahren nach meinen Vorstellungen gestalten kann. Nachdem Platz im Garten immer rar und für Gemüse zur Selbstversorgung knapp war, hatte ich nun auf etwa 6000 qm Platz zum Austoben. Das machte ich jetzt auch mit Begeisterung.

 

Als Grafikdesignerin verfügst du über ein geschultes ästhetisches Empfinden. Wie nutzt du diese Fähigkeit, um deinen Garten ansprechend zu gestalten?“

Die Assoziation von Naturgarten mit Wildnis ist überholt. Mit Wildpflanzen lässt sich gestalterisch genauso arbeiten wie mit herkömmlichen Staudenbeeten, mit dem Unterschied, dass man sich auf die Dynamik der Selbstversamung einlassen kann. Ich würde die unberührte Natur nicht als Wildnis bezeichnen, eher als lebendiges Kunstwerk.

Gestalterisch versuche ich im Garten eher subtil zu arbeiten. Es gibt bewusst keine spektakulären Kunstwerke oder Elemente. Ich möchte, dass es wie zufällig angelegt wirkt: wie Wald, Wiese oder eine gut geformte Tasse, die man täglich verwendet, die einwandfrei funktioniert, ausbalanciert ist und gut in der Hand liegt, und die sonst völlig unaufdringlich in deinem Schrank steht – die du erst vermisst, wenn sie dir plötzlich aus der Hand fällt.

Im Garten soll die Natur der Hauptakteur sein. Ich liefere die Grundlagen dazu: Flächen, Hügel, Tiefen, Wege, Strukturen und vor allem Pflanzen.

Hast du dich nach 12 Jahren auf den 6000qm bereits ausgetobt? 😉

Ausgetobt? Nein. Es gibt noch viele Projekte, die ich unbedingt umsetzen möchte. Zum Beispiel möchte ich den Fokus auf deutlich mehr einheimische Pflanzen setzen. Sie machen einfach mehr Sinn zur Unterstützung unserer tierischen Artenvielfalt. Dadurch hat man nicht nur schöne Pflanzen, sondern auch spannende tierische Gartenbewohner, die man entdecken und beobachten kann. Ich bin für Action im Garten! 😊

Was macht dein Garten aus?

Vielfalt, würde ich sagen: Neben einem Nutzgarten mit vielen verschiedenen Gemüsesorten gibt es bunt gemischte Blumenbeete, Teiche mit breit angelegten Uferzonen, Hügel und Wiesenbereiche. Alles ist durchmischt mit jungen und alten Bäumen, Sträuchern, Stauden und Einjährigen, die sich nach Lust und Laune versamen können. Ich versuche mit dem zu arbeiten, was vorhanden ist. Zum ehemaligen Hofgelände gehören auch Scheunen, in denen wir Nisthilfen für den Eulen-, Mauersegler-, Schwalben- und Hummelschutz vom NABU integrieren.

Übrigens: Wenn man einmal gemerkt hat, wie „Vielfalt schmeckt“ und welche Lebensqualität daraus resultiert, hat man schnell keine Lust mehr auf „Einfalt“. Bei mir hat es mit alten Gemüse- und Apfelsorten angefangen, die sehr unterschiedlich, auch angenehm herb bis bitter schmecken können. Irgendwann schmeckt der eindimensional süße 0815-Apfel einfach nicht mehr. Aufgeschlossenheit für Vielfalt scheint Lösungen für viele Bereiche bereit zu halten.

Hast du noch weitere Ideen? Was soll dieses Jahr (im Garten) passieren?

Projekte gibt es noch haufenweise. Zum Beispiel muss der im letzten Herbst angelegte Teich und der dadurch neu entstandene Sandhügel bepflanzt werden. Dazu braucht es massenhaft Pflanzen, die ich demnächst ansäe und vorziehe. Ich freue mich schon drauf. Gefüllte Anzuchttische geben mir so ein „sattes“ Gefühl. 😊

Dieses Jahr bekommt mein Garten außerdem Besuch von den Machern der Kampagne „Tausende Gärten, tausende Arten“, www.tausende-gaerten.de – eine Prämierung wäre natürlich superklasse!

Da Natur für mich etwas sehr Wertvolles und Spannendes ist, habe ich das Buch „So geht Naturgarten – die besten Gartenelemente“ beim Haupt Verlag in Bern geschrieben, das am 12. Februar erschienen ist. Darin zeige ich, wie Natur auch im Garten „funktioniert“ und wie man die Artenvielfalt mit geeigneten Pflanzen, Geländeformen, Strukturen, und Klimazonen – Element für Element – im eigenen Garten, aber auch auf kommunalen und gewerblichen Flächen fördern kann. Die Förderung der Artenvielfalt ist nicht nur ein Hobby, sondern auch notwendig – wir haben schon zu viele Tier- und Pflanzenarten verloren. Beispielsweise fehlen inzwischen über 75% der Insekten. Man stelle sich mal diese Masse vor! Kein Wunder, wenn in der Folge auch Vögel und weitere Lebewesen in der Nahrungskette leiden oder gar aussterben. Wir vergessen manchmal, dass auch wir Menschen ein Teil der Natur sind und dass auch kommende Generationen ein stabiles Ökosystem zum Überleben brauchen und sich sicher auch an der Schönheit der Natur erfreuen möchten. Daher wäre es klasse, wenn ganz viele Gärten und Grundstücke zu natürlichen Rückzugsorten werden könnten. Damit aus einzelnen Biotopen ein Verbund entstehen kann, um Pflanzen und Tieren mehr natürlichen Raum zu geben und deren Wanderung und Ausbreitung zu ermöglichen.

Wo kann man noch mehr über deinen Garten und dich erfahren?

Ich biete Gartenführungen für Naturschutzverbände wie NABU und BUND sowie für Naturinteressierte an.

Ergänzend zu meinem Buch starte ich nun auch einen Blog über Natur und Garten auf www.katja-falkenburger.de, in dem ich meine Erfahrungen zur Saatgutvermehrung von Gemüse- und Wildpflanzen, Pflanzenanzucht, Bodenaufbau, Selbstversorgung, Förderung der Artenvielfalt usw. teilen möchte. Mit dem Blog möchte ich dazu beitragen, dass Gärten zu bunten, lebensfreundlichen Paradiesen für Pflanzen, Tiere und Menschen werden!

Vielen Dank für eure tolle Arbeit bei NaturaDB!

Interview vom 25.02.2024 von Thomas Puhlmann von NaturaDB, www.naturaDB.de

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