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KOHLKOPF AB11 Minuten

Kopfkohl vermehren - auch im Hausgarten

Um in großen Mengen hochwertiges Saatgut von Rot- und Weißkohl zu erzeugen, braucht man Platz, idealerweise einen ganzen Acker. So kann man aus vielen, möglichst hunderten von Pflanzen diejenigen mit den gewünschten Eigenschaften auswählen und vermehren.

Du hast keinen Acker? Kein Problem. Mit ein paar Tricks lassen sich Rot- und Weißkohl auch platzsparend und mit deutlich weniger Pflanzen auch im normalen Hausgarten vermehren.

 

Weißkohl, Rotkohl, Spitzkohl, und Wirsing werden als Kopfkohl bezeichnet, da ihre dichten Blätter einen Kopf bilden.

So machen es die Profis:

Schauen wir doch einmal den Experten über die Schulter:

„Die Schlechten ins Kröpfchen, die Besten ins Tütchen“ gilt für Saatguterzeuger und solche, die es werden wollen. Daher: Finger weg von den Kohlköpfen, die besonders gesund und kräftig gewachsen sind, auch wenn einem das Wasser im Mund noch so sehr zusammenläuft! Denn für Saatgut sind nur die „schönsten“ Pflanzen reserviert!

Die Schlechten ins Kröpfchen, die Besten ins Tütchen!

Um große Mengen an hochwertigem Saatgut zu erzeugen, werden Kohlpflanzen in der professionellen Züchtung auf großen Flächen angebaut, nach bestimmten Kriterien ausgewählt und dann räumlich von anderen Kohlarten isoliert vermehrt. Für eine effektive und hochwertige Saatgutvermehrung von Kopfkohlarten sind mindestens 10-15 überwinterte Kohlpflanzen einer Art notwendig, um eine gute Bestäubung zu gewährleisten. Rot- und Weißkohl gehören zu den Kreuzblütlern und sind auf Fremdbestäubung angewiesen, das heißt, sie benötigen die Befruchtung durch eine andere Pflanze, um keimfähige Samen zu produzieren. Dies gelingt am besten, wenn mehrere blühende Pflanzen derselben Art nebeneinander stehen.

Kreuzblütler erkennt man an den vier kreuzförmig angeordneten Blütenblättern. →

Außerdem kann sich Kopfkohl mit allen Kohlsorten der Art Brassica oleracea kreuzen. Dazu gehören Wirsing, Kohlrabi, Blumenkohl, Brokkoli, Rosenkohl, Grünkohl und Markstammkohl. Zur sortenreinen Vermehrung sollte daher zwischen blühenden Kohlpflanzen ein Abstand von 150 Metern eingehalten werden. Auf diese Weise wird die unerwünschte Bestäubung weitestgehend verhindert, da auch Insekten „faul“ sind und lieber zu nahegelegenen Blüten fliegen. 

Diese Kohlarten kreuzen sich:

Die Vermehrung von Rot- und Weißkohl ist etwas aufwändiger als bei Brokkoli und Blumenkohl, bei denen schon im ersten Jahr Saatgut gewonnen werden kann. Kopfkohl hat eine zweijährige Entwicklungszeit, in der er im ersten Jahr einen Kopf ausbildet und erst nach der Überwinterung blüht und Samen trägt. Da Kopfkohl nicht winterfest ist, müssen die Pflanzen ausgegraben und in geeigneten Räumen überwintert werden, was etwas mehr Aufwand bedeutet.

Und so funktioniert´s im kleinen Stil auch im Hausgarten!

Pflanze Rot- und Weißkohl entsprechend deinem Bedarf im Garten an. Im Herbst wähle Pflanzen aus, die besonders gesund und widerstandsfähig sind und deinem persönlichen Geschmack entsprechen. Auswahlkriterien können eine besonders gute Frostbeständigkeit, die Farbe und Feinheit der Blätter sowie die Kopfgröße sein.

Kopfkohl mit Wurzeln

Lagere Rot- und Weißkohl mit der Wurzel ein, indem du die Pflanzen in einen großen Topf stellst und die Wurzeln mit etwas Erde bedeckst. Halte die Erde durchgängig leicht feucht. Die Kohlköpfe halten am besten, wenn sie mit etwas Abstand zueinander, gut belüftet, kühl (ca. 5-10 Grad Celsius) und dunkel stehen.

Köpfe den Kohl im Winter nach Bedarf für die Küche und überwintere den verbliebenen Strunk mit seinen Wurzeln bis zum Frühjahr. Achte darauf, dass der Kopf mit einem Messer sauber und gerade abgetrennt wird, damit die Wunde rasch abtrocknen kann.

DER TIPP: (Kohl)kopf ab! … damit du mit nur wenigen Kohlköpfen eigenes Saatgut erhältst, den Kohlkopf aber dennoch essen kannst!

 

Wenn mehrere Sorten derselben Art zur gleichen Zeit blühen und vermehrt werden sollen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, um eine unerwünschte Bestäubung – auch durch Pflanzen des Nachbarn – zu verhindern.

  1. Bauten: Große und hohe Gebäude oder Mauern können Pflanzen vor unerwünschter Bestäubung schützen.

  2. Vlies: Blühende Pflanzen lassen sich durch ein geschlossenes Vlies isolieren. Einige Insekten können die Bestäubung innerhalb des Vlieses durchführen, während andere Insekten draußen bleiben.

  3. Verzögerung der Blüte: Die Blüte von Kohlpflanzen lässt sich verzögern, indem man Triebe ausbricht. Der nachwachsende Trieb blüht dann später.

Isolieren von Pflanzen durch „Barrieren“ wie Gebäude und dichte Hecken.

Die Frühjahrspflanzung: Setze mindestens 2-3 überwinterte Pflanzen – ob mit oder ohne Kopf – mit einem Abstand von 30 cm in einer Gruppe im Frühjahr nach dem letzten Frost aus. Die Pflanzen sollten möglichst tief eingepflanzt und gründlich gewässert werden. Entferne Triebe, die sich über 5-10 cm lang am Strunk gebildet haben, damit kräftige Triebe nachwachsen können.

Stütze und binde die Triebe, da sie bei Wind unter der Last der Samen abbrechen können. Obwohl sich die Pflanzen durch die enge Pflanzung gegenseitig stützen, können sie nach außen hin abbrechen. Dies kann verhindert werden, indem Pfähle um die Gruppe der Kohlpflanzen eingesetzt und eine Schnur um alle herum gespannt wird. Schütze die reifenden Schoten vor Vögeln mit einem Netz oder Vlies, da diese Kohlsamen besonders mögen!

Die Samen sind reif, sobald die Samenhülsen trocken sind und die Samen schwarz werden. Die Schoten mit den reifen Körnern lassen sich am besten im Hochsommer dreschen, wenn sie knackend trocken sind. Dazu legt man eine Plane auf festem Boden aus und löst die Samen durch Druck und Reibung.

Spitzkohl

Brassica oleracea convar. capitata var. alba

… und wie heißt er bei dir, der Weißkohl, Weißkraut, Spitzkohl, Kopfkohl …?

Vermehrung von Kopfkohl nur mit kopflosen Strünken am Beispiel des „Filderkrautes“ →

Rotkohl

Pflanze die überwinterte Rotkohl-Pflanze so tief ein, dass der Kopf ca. 1/3 im Boden sitzt, damit die seitlichen Sprosse möglichst stabil seitlich des Kopfes herauswachsen können.

Brassica oleracea convar. capitata var. rubra
 
Alles dasselbe: Rotkohl, Rotkraut, Blaukraut, Blau- oder Rotchabis, …

← Vermehrung von Kopfkohl am Beispiel einer überwinterten Rotkohlpflanze mit Kopf, Strunk und Wurzeln:

Normalerweise bildet sich bei Kohlsorten ein kräftiger Hauptspross, der blüht und Samen trägt. Bei Kopfkohl sind die Blätter jedoch so dicht, dass man mit Einschnitten im oberen Bereich des Kopfes nachhelfen müsste, damit sich der Spross durchsetzen kann. Dies kann bei ungünstiger Witterung zu Fäulnisbildung führen. Daher verwende ich lieber die Seitentriebe, die die Substanz des Kopfes für ihr Wachstum nutzen.

Die Vermehrung von Kopfkohl als komplette, unverletzte Pflanze ist die natürlich die erste Wahl!

Und wozu den Aufwand mit einer eigenen Saatgutvermehrung?

  1. Sehr gut keimfähiges Saatgut: Frisch geerntete Samen keimen am besten.
  2. Anpassung: Die Pflanzen werden mit jeder Saatgutvermehrung besser an deine Region, das Klima- und Bodenverhältnisse angepasst.
  3. kostenloses Saatgut: Kohlsamen halten mehrere Jahre. So hat man immer genügend Saatgut, dass man kranke und kümmerliche Pflanzen aussortieren und Fehlschläge aufgrund von ungünstiger Witterung oder Schneckenfraß ausgleichen kann.
  4. Tauschgut: Überschüssiges Saatgut kann man an Saatgutbörsen und mit anderen Gärtnern und Gärtnerinnen tauschen und andere Schätze dafür ergattern. 
  5. Eigene Haussorte: Mit den Jahren kann man sich seine eigene Sorten mit den gewünschten Eigenschaften auslesen.

© Alle Fotos und Illustrationen von Katja Falkenburger

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