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STEINREICH ODER FETTE BEUTE?13 Minuten

Heute gibt’s eine fruchtige Tour durchs Erntejahr. Lass es mich gerne wissen, wenn dadurch der ein oder andere Pflasterstein einem Gewächs weicht! 😊

Erdbeeren

Jedes Jahr liest man aufs Neue vom Dreamteam Erdbeeren und Spargel – schon Ende März. Bei mir beginnt die Erdbeerernte im Freiland allerdings erst Anfang Juni. Und das ist gut so:

Keine Plastikmassen durch Folientunnel zur Verfrühung der Ernte, keine Mulchfolien, kein Kunstdünger und keine sonstigen „Mittelchen“.

Dafür echter Geschmack – durch Wurzeln, die direkt in der Erde sitzen und so die volle Bandbreite an Nährstoffen aufnehmen. Dazu das ganze Spektrum an Sonnenlicht und frischer Luft.

Für volles Aroma.

Erbsen

 

Ich liebe Erbsen, aber man sitzt eine Weile, um eine solche Schüssel aus den Schoten zu pulen. Ich machte es mir am Teich gemütlich. Die ersten Erbsen klingelten in die Schüssel, als sich protestierendes Geschnaube im naheliegenden Gestrüpp bemerkbar machte.

„Ruhestörung!“ schnaubte der stachlige Geselle, der seine Nase aus einem Gewirr von Stängeln herausstreckte und müde in die Sonne blinzelte.

„Tschuldigung!“

Maulbeeren

Dieses Jahr habe ich mich über meine erste Ernte gefreut: pappsüße, richtig gute Maulbeeren. Sie sehen zwar ein wenig aus wie Brombeeren, schmecken aber völlig anders. Zum Ernten eignen sie sich hervorragend für einen alten, umgedrehten Regenschirm – das habe ich ausprobiert. Auch offene Krägen und Jackentaschen eignen sich bestens, färben sich allerdings sofort violett.

Daher meine Empfehlung: Sammeln und pflücken nur mit Handschuhen – und am besten im ultradichten Regenmantel. Oder hat jemand gute Erfahrungen mit einem Ganzkörper-Taucheranzug gemacht?

Kirschen

Bei den Süßkirschen gibt es auch in diesem Jahr keinen Streit mit der Vogelschar. Unser großer, ehrwürdiger Wildkirschbaum hat schnabelgerecht kleine Kirschen. Schnabel auf – und ganze Kirsche rein. Die für Vögel etwas zu großen und nur pickbaren Dollenseppler-Süßkirschen werden da freundlicherweise links liegen gelassen.

Also: immer zwei Kirschbäume pflanzen. Einen für kleine, spitze – und einen für menschliche Schnäbel.

Dollenseppler – ist das nicht ein wunderbarer Name für Kirschen? Etwa 1,5 cm große Früchte, aber mit intensivem Aroma.

Blüten-Tees

Zugegeben: Man sollte Insekten nicht das Futter wegnehmen. Aber bei Blüten mache ich ab und zu eine Ausnahme, um die Farben des Sommers als Tee mit in den Winter hinüberzuretten.

Für immer ein bisschen wärmender Sonnenschein und bunte Blütenblätter im winterlichen Teeglas.

 

Himbeeren

Achtung Mitesser, Wanzenalarm:

Vor dem Pflücken einer Beere darauf sitzende Himbeerwanze gaaaanz vorsichtig abschütteln, damit sie nicht vor Empörung Stunk ablässt!

Wir teilen – ganz klar –, aber in der Schüssel brauche ich die wehrhaften Biester nicht.

Die beste Himbeersorte in meinem Garten ist butterweich. Man kann sie nur sofort in den Mund stecken.

Herrlich.

Karotten

Ein bisschen intensiv, meinte eine Freundin, als sie mein Karottengemüse aß. „Was hast du denn da für ein Gewürz dran?“

Die Karotten waren lediglich gesalzen. Solch ein Aroma kennt man von gekauften Rüben kaum.

Der Duft einer frisch geernteten Karotte allein ist schon ein Grund, sich einen Gemüsegarten anzulegen.

MAIS

Mais gibt’s in allen Farben – und richtig bunt. Hier zwei meiner Klassiker: der gelbe Zuckermais Bantam und der violette Jade Green.

Letzterer ist dabei eine Besonderheit: schnellwüchsig, gerade mal 60–70 cm hoch, und bildet seine Kolben direkt unten am Wurzelansatz aus.

Nicht nur eine Rarität – sondern auch besonders gut, wenn man ihn zum richtigen Zeitpunkt erntet.

Mehr zum Thema Mais:
«ZUCKERMAIS»

Zwiebeln

Letztes Jahr waren es einfach zu wenige und zu kleine Zwiebeln – viel zu wenige, um Zwiebeldünne zu machen. Deshalb steckte ich im Herbst und Frühling „etwas“ mehr.

Wer konnte ahnen, dass normale Zwiebeln dieses Jahr alle die Größe von Gemüsezwiebeln haben würden?

An Zwiebelkuchen mangelt es dieses Jahr nicht. Hoffentlich finde ich genügend Esser …

Kohlrabi

Wer sagt’s denn: Mein Garten kann sogar Kohlrabi! Das sind die ersten ernstzunehmenden meiner Laufbahn, weil ich gerade mal ausreichend Muße zum regelmäßigen Gießen hatte.

Man muss die Dinger gießen, wenn sie nicht holzig sein oder platzen sollen, lerne ich. So wichtig sind sie mir aber nicht, dass ich in Zukunft ständig Kannen schleppen möchte.

Mir ist Gemüse lieber, das man einmal setzt, mulcht und dann einmal erntet. Außerdem ist Krautartiges für mich eher Winteressen.

Mehr zum Thema Kohlgewächse und wie man diese fermentieren kann:
«SUPERFOOD SAUERKRAUT!»

Pfirsiche

Der Saft spritzt, wenn man einfach reinbeißt – und sie schmecken göttlich. Jeden Morgen eile ich unter den Pfirsichbaum und drücke die Früchte vorsichtig, um deren Reife zu prüfen.

Man muss sie kreuzweise aufschneiden und mit dem Messer aufhebeln, wenn man nicht ständig Obstflecken auf den T-Shirts haben will – so viele Markenzeichen brauche ich dann doch nicht 🙂

Birnen

Ich kenne keine bessere Birne als die Williamsbirne. Wie schon bei den Pfirsichen muss man deren perfekten Reifegrad ganz genau abpassen, wenn man das volle Aroma möchte. Zwischen „noch zu hart“ und „Matschbirne“ öffnet sich nur ein kurzes Zeitfenster.

Tomaten

Ein Leben ohne Tomaten ist möglich – aber sinnlos! Die Fülle an verschiedenen alten Sorten für jede Anwendung und jeden Geschmack ist paradiesisch.

Österreich hat den perfekten Namen dafür: Paradeiser!

Zucchini

Wo bitte gibt es solch eine Zucchini im Laden zu kaufen? Die einen sagen: „Unschälbarer Ausschuss“ – ich sage: eine einzigartige Rarität! Aus den siamesischen Zwillingen lassen sich quer geschnittene Zucchinischeiben in Form einer Acht braten, dekorative Blüten für den nächsten Quiche oder Blechkuchen legen. Wenn das nicht schon optisch ein Genuss ist!

Mirabellen

Wie wäre es mit Mirabellen zum Nachtisch? Meine Lieblings-Mirabellen sind etwa 2 cm groß, weißlich überhaucht mit einem violett-roten Farbspiel, pappsüß, melonenähnlich duftend und mit einem genialen Aroma. Zuerst erobert das weiche, aber nicht saftende Innere den Gaumen – eine Mischung aus Aprikose, Melone, Vanille und Karamell. Beim Kauen der Haut lösen sich dann Säuren und sogar bittersüße Stoffe, die ein zweistufiges Geschmackserlebnis entfalten.

Geheimtipp: Sie sollten am Stilansatz leicht angetrocknete Schrumpffalten aufweisen – dann sind sie am besten. Zuckersüß und voller Aroma! Eine Praline direkt vom Baum. Also: schnell auflesen und sofort vernaschen. Lange haltbar sind sie nicht und somit im Laden kaum zu finden. Daher: unbedingt anpflanzen!

Gurken

Was für ein Farbspiel – von Hellgelb über Grün bis Rotbraun! Diese alte Gurkensorte überrascht nicht nur mit ihrer Farbvielfalt, sondern auch mit ihren kuriosen Formen. Man kann sie in sämtlichen Reifestadien genießen: von grünen Minis bis hin zu großen Exemplaren mit rauer, gelb-bräunlicher Schale.

Je nach Reifegrad ergeben sich ganz unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten – roh in Salaten, eingelegt oder fermentiert, in Suppen oder als Schmorgurke.

Manche Sorten lassen sich sogar voll ausgereift, mit gelber bis brauner, rauer Rinde, gut lagern. Die robuste Schale schützt zuverlässig vor dem Austrocknen.

Zucker- und Wassermelonen

Mehr Schein als Sein: Mit den Zucker- und Wassermelonen ließ sich dieses Jahr bei mir kein Blumentopf gewinnen. Das Aroma war äußerst zurückhaltend – im Salat gingen sie bei Uneingeweihten glatt als Gurke durch.

Kartoffeln

Fette Beute, was für ein Kartoffeljahr! Schon bei den ersten Spatenstichen kamen riesige Oschis zum Vorschein – und das war erst der Start in die Saison. Inzwischen ist der Keller voll, und klar: Jetzt braucht’s eine richtig gute Auswahl an Kartoffelrezepten.

Laut Haushaltsrechnung steht bei uns dreimal pro Woche ein großer Dampftopf auf dem Plan. Und 40 Zwetschgenknödel sind übrigens auch schon verputzt. Wer also noch genial-gute Lieblingsrezepte auf Lager hat – immer her damit!

Und wie heißen die Knollen bei dir – Erdapfel, Härdöpfel, Grumbeere, Grundbirne, Ärpel, Ärdbirn, Tüfte, Tuffel, Tüffel, Krumbeere, Krumpern oder ganz anders?

Auberginen

Auch Auberginen gibt´s in verschiedensten Farben und Formen. Dieses Jahr habe ich mich an diese lange, dünne Sorte gewagt – doch ohne Auberginen-Wetter. Die Ernte reichte kaum für den sprichwörtlichen hohlen Zahn.

Aber wir wollen nicht klagen: Die wenigen Exemplare waren echt gut!

Buschbohnen

Die gute alte Fisole „Saxa“ war gestern – seit ich in einer Bohnenorgie mindestens 20 alte Buschbohnensorten ausprobiert habe.

Mein absoluter Star ist eine französische Princessbohne: 10–12 cm lang, 5–6 mm schmal, unermüdlich tragend und die feinste Bohne, die ich kenne. Kein Wunder bei dem Namen.

Man muss sie allerdings vorsichtig ernten, da sie an den Verzweigungen am Boden gern abknickt.

Auch die Abstände sind anders als gewohnt: Legt man normalerweise alle 10–15 cm eine Bohne, so können es bei diesen Miniböhnchen gerne 20 cm sein.

Paprika

Wie lackiert blitzen Schoten zwischen den Blättern hervor: „Iss mich“, scheinen sie zu sagen und rufen in Rot, Orange und Sonnengelb.

Das machen wir dann auch – und bewahren die Samen der schönsten Sorten sorgfältig auf.

So wird man als Obst und Gemüse auch in Zukunft angebaut – ein super Überlebens-Trick!

Brokkoli

So sieht übrigens ein normaler Brokkoli aus: viele kleinere Röschen. Die dicken Köpfe, die man aus dem Laden kennt, sind sogenannte Hybride – gezüchtet auf Ertrag und Aussehen, was die Vielfalt, den Geschmack und Anpassungsfähigkeit einschränken kann.

Hybride gelten als „Einwegpflanzen“ – sie sind nicht für Kreislaufwirtschaft oder Selbstversorgung geeignet. Solche Hybridsorten sind zwar optisch perfekt, aber geschmacklich weniger intensiv als alte, samenfeste Sorten.

Warum ein rotes Marienkäferchen auf meinem Brokkoli krabbelt? Vielleicht kümmert es sich ja um die Weiße Fliege, die an manchen Pflanzen in Wolken aufsteigt. Mach mal.

 

Mehr zum Thema Kohlgewächse und wie man diese vermehren kann:
«KOHLKOPF AB!»

Trauben

Ich kann nicht mehr! Unglaublich, was an einem einzigen Rebstock hängen kann!

Schmeckt super – der Blaue Portugieser – und auch meine andere Traubensorte Königliche Ester. Beide: superrobust.

kürbisse

Hängen noch bis zum Frost – oder bis die Ansätze an der Versorgungsleitung korkig werden: meine Kürbisse.

Große kann man mit anderen netten Leuten teilen, damit nichts verschwendet wird.

Im Fall des Flat White Boer hatten wir keine Anwendungserfahrungen – und staunten nicht schlecht, was andere für einen superleckeren Kuchen, eher eine Torte, daraus zaubern.

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Hokkaido
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Kürbis „Flat White Boer“
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Butternut

Mehr zum Thema Kürbis und dessen Vermehrung:
«ZUCHT UND ORDNUNG»

Pflaumen und Zwetschgen

Ich sag nur: Zwetschgenknödel! Nach frischen Pflaumen meine ultimative Leibspeise.

Dampfenden Knödel aufreißen, damit der Duft der goldgelb zerflossenen Zwetschge aufsteigt – und alles genüsslich aufmampfen.

Ein Knödel, noch einen, noch einen … bis du nicht mehr kannst.

Nüsse & Äpfel

Und wer nach so viel Obst und Gemüse Lust auf herbstliches Basteln bekommen hat: Hier ist mein brandneues Anleitungsvideo – „Girlande Herbst“ 😊

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Langsam neigt sich die Gartensaison dem Ende zu. Nüsse und Äpfel stehen an. Wer schon mal mit einem überladenen Auto voller Apfelkisten zum Mosten gefahren ist, weiß, wie frisch-zitronig-süß-herb-blumig Äpfel riechen können. Der Wahnsinn.

Wenn dann die Fässer zuhause stehen, der Most blubbert und der Apfelsaft jeden Tag spritziger und sogar cremiger wird, bis sich die Süße verflüchtigt – dann ist Herbst für uns.

Die Tage werden kürzer, kaum noch etwas zu tun im Garten. Vielleicht noch den ein oder anderen Strauch oder Baum pflanzen – und entspannen bis zum Frühjahr. Auch schön!

Steinreich oder Fette Beute?

Nur Mut zu einem ersten Obstbaum!

Damit es schon im nächsten Jahr auf dem eigenen Gartengrundstück vom gemütlichen Sitzplatz aus auch etwas zu sehen, zu schmecken und zu erleben gibt!

ups

© Alle Bilder von Katja Falkenburger

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